Juli 15 2018

Babyschlaf unter Beobachtung

Bei dem Spruch „Schlafen wie ein Baby“ stellt man sich einen besonders seeligen und friedlichen Schlaf vor. Beschützt und behütet kann man in vollkommener Zufriedenheit seine Seele baumeln lassen, tief und sorglos schlummern ohne dabei einen Gedanken an irgendetwas sorgenvolles verschwenden zu müssen.

Allerdings immer nur genauso lange, wie Minimum ein Paar Elternaugen auf das Baby gerichtet sind. Liegt ein Baby friedlich schlafend im Bett, wird es sofort hellwach, sobald man sich umdreht und das Zimmer verlassen möchte. Indirekte Beobachtungsmaßnahmen wie ein Babyphone oder eine Kamera können den scharfen Babyinstikt nicht täuschen.

Sobald der Blick sich vom schlafenden Körper abwendet, läuten beim Baby alle Alarmglocken. Es spuckt augenblicklich den Schnuller aus, wirft seine Gliedmaßen in alle Richtungen aus und jammert was das Zeug hält. Natürlich muss das komplette Einschlafritual von Neuem vollzogen werden und wehe dem, der anschließend seinen Blick erneut abwendet.

Oft kriegt man als frischer Elternteil den Rat, man solle doch schlafen, wenn das Baby schläft. An sich keine schlechte Idee. Die Nächte sind meist nicht zufriedenstellend und so lockt die Couch zu einem Mittagsschläfchen. Baby schlummert bereits friedlich nebenan, man nimmt sich Kissen und Decke und kuschelt sich voller Vorfreude in die Couchecke…

Da quakt es auch schon aus dem Kinderzimmer. Entäuscht legt man die Schlafutensilien bei Seite, geht ins Zimmer gegenüber und findet ein unschuldig schlafendes Baby vor. Voller Hoffnung eilt man zurück, greift sich erneut die Kuscheldecke. Doch sobald der Kopf das Kissen sanft berührt, ertönt erneut der Weckruf des Grauens.

So bleibt man also im Kinderzimmer sitzen mit Zahnstochern in den Lidern und übt heimlich das Schlafen mit offenen Augen in der Hoffnung, dass das Baby dies nicht merkt.

Juli 6 2018

Das Schwarze Loch der Schnuller

Bereits in der Schwangerschaft kommt man nicht drumherum ein paar Dinge für den baldigen Zuwachs einzukaufen. Also deckt man sich ein mit Sachen, die man vermutlich eh niemals brauchen wird. Darunter auch ein paar Schnuller.

Kurz nach der Schwangerschaft erhält man von den üblichen Verdächtigen noch eine handvoll Schnuller mehr, sodass man am Ende in einem Berg voller Silikonsauger (ohne BPA) in den verschiedensten Farben, Formen und unterschiedlicher Leuchtkraft sitzt und sich fragt, wann man diese ganzen Errungenschaften denn jemals einsetzen soll.

Was man da noch nicht weiß ist, dass sie komplett selbstständig verschwinden. Schaut man sie an, bewegen sie sich nicht vom Fleck. Doch ist man kurz aus dem Zimmer gegangen, öffnet sich ein schwarzes Loch und verschlingt alles, was auch nur im entferntesten nach Schnuller aussieht. Dabei ist es egal, in welcher Geschwindigkeit man zurückeilt. Der Schnuller ist weg. Für immer.

Manche Schnuller werden so stark vom Universum angezogen, dass ein kurzes Blinzeln reicht, um sie ins Weltall ziehen zu lassen. Auf Nimmerwiedersehen. Schnullerketten retten die vermeidlichen Beruhigungssauger übrigens auch nicht, denn diese verschwinden einfach gleich mit.

Ganz selten kommt es aber vor, dass sich ein Portal öffnet, der einen einzelnen Schnuller wieder ausspuckt. Allerdings darf man sich nicht zu früh freuen, denn die Sauger landen an Orten an die man ohne Feuerwehr garantiert nicht herankommt, wie z. B. hinter einem Schrank, der dort bereits seit 1800 steht und halb mit der Wand verwachsen ist.

Ähnlich verhält es sich übrigens mit Spucktüchern.