Juli 20 2018

Das Babybrei Massaker

Ab dem vierten Monat gibt der Kinderarzt normalerweise den Startschuss zur ersten Beikost. Also deckt man sich im nächsten Supermarkt mit den unschuldig wirkenden Gläschen ein, nimmt noch ein paar hübsche Lätzchen mit und farbenfrohe Plastiklöffel und schon kann der Spaß losgehen.

Am Anfang noch zögerlich, geht irgendwann tatsächlich son ganzes Glas in den Sprössling rein. Bis das Essen allerdings unfallfrei klappt ist es ein langer und möhrchenreicher Weg.

Damit der Inhalt des Löffels in den Schlund des Babydrachens hinein befördert werden kann, muss man zuerst an den Ärmchen vorbei. Und an den Beinchen. Diese verteidigen den Zugang zum Babymund mit allen Mitteln und höchster Präzision.

Hat man das eine Beinchen erfolgreich zur Seite geschoben, gekonnt am rechten Arm vorbeimanövriert, schnell den Griff der linken Pranke abgewehrt, kommt aus dem Nichts das zweite Beinchen und kickt den Löffel mitsamt Inhalt auf den Boden der Tatsachen.

Aller Anfang ist schwer, also schöpft man erneut gemanschte Hoffnung auf einen frischen bunten Löffel, zieht vorbei an allen zappelnden Gliedmaßen und steht vor dem Endboss. Der Zunge.

Kippt man das breiige Gut darunter, wird es einfach wieder raus geschoben, also ist es ratsam den richtigen Moment abzupassen, sodass der sich windende Muskel an der passenden Position befindet und man seine Ladung Brei abladen kann. Wartet man allerdings zu lange, kommen die wendigen Wärter wieder zum Vorschein und alles landet wieder auf dem Boden. Oder im Lätzchen. Oder in den Haaren. Wahlweise den eigenen oder den des Kindes. Gerne auch beides.

Hat man es tatsächlich geschafft, die matschige Kost erfolgreich in den Mund zu befördern, sollte man sich noch nicht zu früh freuen. Denn mit einem „Pfrtfpft“ sprenkelt das Baby gekonnt ein neues Muster auf die Wände, das überraschte Gesicht des Fütterers und auf alles andere was zufällig in der Nähe steht.

Hinterher darf man auf jeden Fall davon ausgehen, dass der Inhalt des Gläschens überall zu finden ist und wenn man ganz viel Glück hat, sogar ein bisschen davon im Kind.

 

Juli 15 2018

Babyschlaf unter Beobachtung

Bei dem Spruch „Schlafen wie ein Baby“ stellt man sich einen besonders seeligen und friedlichen Schlaf vor. Beschützt und behütet kann man in vollkommener Zufriedenheit seine Seele baumeln lassen, tief und sorglos schlummern ohne dabei einen Gedanken an irgendetwas sorgenvolles verschwenden zu müssen.

Allerdings immer nur genauso lange, wie Minimum ein Paar Elternaugen auf das Baby gerichtet sind. Liegt ein Baby friedlich schlafend im Bett, wird es sofort hellwach, sobald man sich umdreht und das Zimmer verlassen möchte. Indirekte Beobachtungsmaßnahmen wie ein Babyphone oder eine Kamera können den scharfen Babyinstikt nicht täuschen.

Sobald der Blick sich vom schlafenden Körper abwendet, läuten beim Baby alle Alarmglocken. Es spuckt augenblicklich den Schnuller aus, wirft seine Gliedmaßen in alle Richtungen aus und jammert was das Zeug hält. Natürlich muss das komplette Einschlafritual von Neuem vollzogen werden und wehe dem, der anschließend seinen Blick erneut abwendet.

Oft kriegt man als frischer Elternteil den Rat, man solle doch schlafen, wenn das Baby schläft. An sich keine schlechte Idee. Die Nächte sind meist nicht zufriedenstellend und so lockt die Couch zu einem Mittagsschläfchen. Baby schlummert bereits friedlich nebenan, man nimmt sich Kissen und Decke und kuschelt sich voller Vorfreude in die Couchecke…

Da quakt es auch schon aus dem Kinderzimmer. Entäuscht legt man die Schlafutensilien bei Seite, geht ins Zimmer gegenüber und findet ein unschuldig schlafendes Baby vor. Voller Hoffnung eilt man zurück, greift sich erneut die Kuscheldecke. Doch sobald der Kopf das Kissen sanft berührt, ertönt erneut der Weckruf des Grauens.

So bleibt man also im Kinderzimmer sitzen mit Zahnstochern in den Lidern und übt heimlich das Schlafen mit offenen Augen in der Hoffnung, dass das Baby dies nicht merkt.

Juli 6 2018

Das Schnullerspiel

Stufe 1

Kind jammert. Wenn man das Glück hat und ein Baby erwischt hat, das den Schnuller auch akzeptiert fügt man diesen sogleich hinzu und die meiste Zeit nuckelt es anschließend zufrieden vor sich hin.

Doch sobald der Schlaf es ereilt wird erwähnter Schnuller losgelassen, das zufriedene Nuckeln kann nicht fortgeführt werden und das Baby zappelt sich wach, empört der frechen Entwendung des geliebten Beruhigungsmittels. Ist man aufmerksam und schnell genug, kann man den Schnuller sofort wieder reindrücken, bevor der akustische Alarm losgeht.

Oft aber wird dieses Spiel nachts gespielt und so liegt man beim Einschlafprozess des Babys und seine eigene Müdigkeit ignorierend auf der Lauer und horcht in die Stille hinein, ob ein sanftes „Puck“ das Entgleiten der Einschlafhilfe verrät.

Überhört man es oder schläft gar selbst in dieser Zeit ein, geht sofort und ohne Vorwarnung der Alarm an und das Spiel fängt von vorne an.

Stufe 2

Im zunehmenden Alter des Babys kommt hinzu, dass die Händchen ein Eigenleben entwickeln. Hat man es geschafft den Schnuller erfolgreich oben anzudocken, kommt ein kleines Händchen und zieht es wieder heraus. Auch hier ist die Empörung groß.

Vorwurfsvoll blicken einem zwei große Augen entgegen Unverständnis des Geschehens. Nimmt man dem Händchen jetzt den Schnuller weg, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder der Ärger steigt, da schließlich etwas einfach so aus den Händen gerissen wurde, was man sich doch gerade erst erbeutet hat. Oder man steckt den Schnuller wieder rein und das Händchen holt es sich erneut, was eine neue Runde in dem Spiel einläutet.

In dem Spiel gewinnt übrigens immer das Baby. Immer.

Juli 6 2018

Hallo Welt!

So da isser nun der childprocess. Lange wurde er ausgebrütet und nun isses da. Schreiendes, kackendes Leben. Ein biologisches Wunder und Fehlkonstruktion in einem. Der Grund vieler schlafloser Nächte. Aber man wollte ja nicht anders. Hat es ja schließlich geplant mit der naiven blauäugigen „Das wird schon werden“-Mentalität. Denn bereit ist man eigentlich nie dazu. Und unabhängig davon wie viel man sich einliest und Geschichten erzählt bekommt. Man weiß erst, was einen erwartet, wenn man bereits mitten drin steckt. Doch dann gibt es kein Zurück mehr!